Wenn Frau den Heiratsantrag macht

„Willst du mein Mann werden?“ – Wenn Frau sich traut und den Antrag macht

 

Ja, Männer wissen schon: Frau möchte heiraten. Sich ihren Mädchentraum erfüllen. Und sie ist sich sicher, dass ihr Mann sie liebt. Doch auf den Antrag wartet sie vergebens. Darum: Soll Madame den Antrag selbst machen? JA, sagen die einen. NEIN!!, die anderen. Bei diesem Thema ist das „almost always united“ – United Photographers -Team tatsächlich in zwei Lager gespalten! Leute, DAS wird spannend.

Das Kleid soll Champagner-Farben sein. Im Endsommer der Hochzeitstag. Die Gästeliste ist geschrieben, die Hochzeitsfarben harmonieren beinah perfekt. All das erzählt sie aufgeregt ihrer Freundin, die gebannt zuhört. Bis der Satz „jetzt muss er mich nur noch fragen“, fällt.

Stille. Große Augen. Die Frage, warum die Hochzeit denn schon in voller Planung sei, obwohl der Zukünftige noch gar nichts von seinem „Glück“ wisse. „Na, weil ich ihn bald fragen werde.“ Die Stille die nun folgt, ist beklemmend. Schließlich entgegnet die Freundin: „Lea, das kannst du nicht machen. Antrag ist Männersache. Wenn du das machst, entmännlichst du ihn total!“

 

Heiratsantrag in 360°: Die Frauensicht

„So ein Quatsch“, sagt Lea. „Selbst machen. Alles andere ist doch total unemanzipiert.“ Ach herrje – wir haben es in den Mund genommen, das E-Wort. Hat doch auf einer Hochzeitsseite gar nichts zu suchen: Die Hochzeit, die letzte vor Geschlechterklischees triefende Bastion. Die Rollen sind klar verteilt. Mann macht Antrag, lehnt sich dann entspannt zurück. Frau plant und darf dafür Prinzessin sein. Genauso, wie es sein soll. Das Leben ist kompliziert genug, da muss man es nicht noch komplizierter machen, indem man die Rollen tauscht. „Falsch“, findet Lea. Seit den 60er Jahren kämpfen Frauen gegen Geschlechterstereotypen: An der Arbeit, an der Cashfront, bei der Kinderbetreuung. Zumindest auf dem Papier sind wir alle gleichberechtigt. Daher irritiert es Lea und viele „moderne“ Frauen, dass gerade bei Hochzeiten die Unterschiede zwischen Mann und Frau bekräftigt werden. Auf der einen Seite wünscht Frau sich, dass die klassische Rollenverteilung aufgehoben wird, auf der anderen Seite drückt sie den Mann in Sachen Hochzeit in ein veraltetes Rollenmodell. „Das ist doch total inkonsequentes Denken. Die Beziehung, die wir führen, ist nicht so“.

Lea erklärt, dass sie ihre Gefühle und Wünsche ja auch sonst offen kommuniziert – warum nicht in Bezug auf die Heirat? Oft ist es so, dass der Mann zwischendurch einen Schubs braucht. Manche Männer wissen gar nicht, dass ihre Partnerin schon lange auf einen Antrag hofft. Oder sie trauen sich schlichtweg nicht, sie zu fragen. Darum sagt die Frauen Pro-Fraktion: Lasst euch nicht von verstaubten Bräuchen beirren. Wenn Frau Lust hat, Mann zu überraschen und ihm ihre Liebe zu zeigen, dann soll sie es auch tun. Die Frau kennt ihren Pappenheimer und wird wohl wissen, ob er das gut finden wird. Und wenn nicht, dann soll sie es bitte lassen.

Egal, ob sie oder er: Man sollte nur dann einen Heiratsantrag machen, wenn man sich selbst bombensicher ist, dass der andere sich freut und ja sagen wird.

 

Heiratsantrag in 360°: Die Männersicht

In UK feiert man am 29. Februar den so genannten „Leap Day“. Der Grund: 1288 erließ die schottische Königin ein Gesetz, das Frauen erlaubte, ihren Männern am 29. Februar einen Heiratsantrag zu machen. Diese mussten annehmen – oder Strafe zahlen. Viele Britinnen nutzen den Schaltjahr-Tag heute noch, um vor ihm auf die Knie zu fallen.

„Was für ein Quatsch!“, denkt sich Mann. Gleichberechtigung ist eine tolle Sache, aber nicht, wenn es um den Heiratsantrag geht. Es fragt immer der Mann, das werde von der Frau erwartet. So war es schon immer, und so soll es auch sein. Ein Mann drückt es so aus: „Als Mann möchte ich sie fragen, ich suche keine Emanze.“ In der unruhigen, schnellen Gegenwart sind Traditionen und Rituale zentral – gerade wegen den vielen Veränderungen, denen wir uns täglich stellen müssen.

Für viele Männer ist es wichtig und männlich, dass sie die Initiative ergreifen und den Antrag machen dürfen. So können sie ihre romantische, heldenhafte Seite zeigen und werden gleichzeitig der Erwartungshaltung (der Frau und der Gesellschaft) gerecht.

 

Wer findet schon Youtube-Videos gut, in denen die Frau einen Antrag macht und der Mann losheult?

 

Wir haben unsere Brautleute gefragt, wie sie das Thema heiraten angegangen sind. Die meisten Paare entscheiden heute gemeinsam, dass sie heiraten wollen. Beispielsweise, wenn es darum geht, eine Familie zu gründen. Allerdings ist es nach diesem Gespräch meist der Mann, der den romantischen Antrag macht. Ganz klassisch. Und damit sind dann auch alle zufrieden.

Was wir auch oft hören, ist, dass der Mann den Antrag macht, weil er von IHREM Wunsch weiß und ihn erfüllen möchte. Darum macht er den Antrag. Ganz männlich, ganz traditionell.

Das wäre also der Status quo. Ihr merkt, wir sind ein wenig traditionell veranlagt.

Das Problem, dass Mann seiner Liebsten keinen Antrag macht, ist damit allerdings auch noch nicht gelöst. Wir haben da eine ganz gute Idee von einer unserer Bräute erhalten, wie Madame ihr Dilemma mit Würde löst:

Vergesst für einen Moment die Sache mit den Heiratsanträgen und sprecht stattdessen sachlich und locker mit dem Partner darüber. Und zwar in einer entspannten Situation, die es möglich macht, ergebnisoffen und ehrlich zu reden. Klärt die Fragen:

  • Möchtest du irgendwann mal heiraten?
  • Wollen wir beid irgendwann mal heiraten?
  • Könntest du dir vorstellen, dass wir auch irgendwann heiraten?

Am besten im Kontext einer Hochzeit im Bekanntenkreis. Da passt das Thema und ist harmlos und unauffällig. Aber Männer sind auch nicht blöd, und verstehen euren Schubs schon.

 

Nun seid ihr gefragt, liebe Leserinnen und Leser: Wir wissen, dass dieses Thema kontrovers ist und sind darum schon so gespannt auf eure Meinungen. Auch wenn ihr mal nicht gleicher Meinung sein solltet wie wir oder jemand, der einen Kommentar hinterlässt: Bitte seid lieb miteinander.

 

 

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